27. Oktober - 2. Dezember 2012

D O P P E L D E N K

das sind Marcel Baer und Andreas Glauch, ein Künstlerkollektiv aus Leipzig.


DOPPELDENK ist nicht nur ein Neologismus, der aus dem 1947 entstandenen Roman 1984 entstammt. Marcel Baer und Andreas Glauch benutzen diesen Begriff vielmehr als Topos für ihre offensiven Arbeiten, die auf den ersten Blick mit ihren unkonventionellen Neonfarben eine Ähnlichkeit mit pop- oder subkulturellen Sujets aufweisen und dadurch eine gewisse Vertrautheit evozieren. Auf den zweiten Blick offenbart sich jedoch eine weitere, eine subversive Lesart. Doppeldenk nutzt die suggestive Kraft (massenkultureller) Symbole, die in ihrem Œuvre meist als Piktogramme oder idealisierte Character dargestellt werden. Beispielsweise erfolgt im Triptychon Vanitas Vanitatum eine Art ästhetische Nivellierung, indem computergenerierte Motive in ihrer Bedeutung scheinbar gleichwertig angeordnet werden. Jedoch wohnt in dieser Komposition jene Kraft der Manipulation inne, die dem Leser in Orwells Roman mit voller Wucht entgegenschlägt. Sie ist es, die für die heutige, an den massenkulturellen Konsum gekoppelte Gesellschaft durchaus relevante Elemente der Täuschung und der mehrschichtigen Denkweisen bereithält. Symbole werden, wie das Wort Revolution, umgedeutet, zweckentfremdet und erfahren im Kontext derzeitiger Distributionsverhältnisse eine Sinnentleerung. Dementsprechend nutzt die Künstlergruppe Doppeldenk Strategien des Scheins und deren Indifferenzen und fordert, in Manier einer Vanitasdarstellung, eine erhöhte Aufmerksamkeit des Betrachters. Dem Betrachter fällt letztendlich auch die Rolle zu, inne zu halten und Lesbarkeiten von Symbolen und ihren kulturell gewachsenen Inhalten aufzudecken und vor allem zu hinterfragen.


 
www.doppeldenk.eu