30. April - 26. Juni 2011


U R B A N   A R T   I N T E R N A T I O N A L

Mark Gmehling / D

www.markgmehling.weebly.com


www.braincorps.de



Mark Gmehlings aesthetisches Universum entstammt der Graffiti-Szene der späten 80er Jahre. Gelangweilt von einer Szene, die sich mehr und mehr um die eigene Achse drehte, fing Gmehling an, verschiedene Medien, Themen und Techniken zu nutzen um seine visuellen Statements zu kreieren. Der Stift wurde zum Pinsel, zur Sprühdose, und schliesslich zum Wacom Tablet.

Mark Gmehling ist ein Absolvent angewandter Kunst, der sein folgendes Kommunikationsdesignstudium als logische Konsequenz seiner künstlerischen Ausbildung sah. Er war eine Zeit lang in der Werbung tätig und arbeitet inzwischen als freiberuflicher Illustrator.

Inspiriert von der Pop-Kultur hat Mark eine Arbeitsweise entwickelt die photorealistisch ist. Er beschreibt seine Skulpturen als "Plastic Bling".

Mark: "Meine Skulpturen sind metaphorische Dokumentationen meiner Realität. Sie fassen meine Beobachtungen und Ansichten in Motiven zusammen die Worte nicht beschreiben könnten. Wichtig ist mir, daß jede Arbeit für sich selbst spricht. Sie sind an die allgemeine Öffentlichkeit gerichtet, sollen zum Denken anregen, oder einfach nur ein Lächeln aufs Gesicht zaubern."

Künstler wie Gmehling haben die Platform für Graffitikunst erweitert indem sie die Kunst nicht nur auf der Straße verständlich machen, sondern ebenso im Galerierahmen, auch wenn das für Gmehling verschiedene Szenarien mit grundverschiedenen Leitmotiven sind.




Es gibt den Hit, der überall gespielt wird, schnell ins Ohr geht, und eine Zeitlang angesagt ist. Er wird vom nächsten Hit abgelöst. Und dann gibt es den Evergreen. Dieser ist schon beim ersten Hören anders … ungewöhnlich … und fresh! In Ihm liegt das Potential Stilrichtungen zu prägen.

Mark Gmehlings Arbeiten sind definitiv von der zweiten Qualität. Gmehlings Bilderwelten haben einen unverwechselbaren Stil. Sie sind von seinem Graffitileben geprägt, mit Humor und treffsicherer Beobachtungsgabe ergänzt, und meisterhaft mit digitalen Werkzeugen realisiert.

Es sind ganzheitliche Kompositionen und das Auge nimmt erst nach und nach die Komplette Vielschichtigkeit seiner digitalen Charakter auf. Beim nahen Beobachten von Gmehlings Typologien kann es schonmal passieren, dass sich der Blick in der ausdrucksstarken Formgebung, der  ausgereiften Detaillierung, und den realistischen Licht- und Schattenreflexen verliert.

Wie bei einem Evergreen, kann man bei Mark Gmehling das komplette Werkstück geniessen, und gleichzeitig immer weitere faszinierende Nuancen entdecken.

Seine Arbeit wird uns nachhaltig beschäftigen.
                                                                                  
                                                                                  Stefan Winterle, Weil am Rhein, 23.04.2011




Die Welt des Mark Gmehling - stets scheinbar positives, aber extrem humorvolles Statement gegen die angeblich wichtigen Dinge unserer Zeit. Eine phantastische Mischung aus Hippiekultur, Punk, Hiphop und Funk. Unzählige geheimnisvolle Symbole und in sich verschlungene Figuren regen die Phantasie an, sodaß man beim Betrachten meint, die ganze Szenerie bewege sich, drehe sich um die eigene Achse oder gäbe gar Geräusche von sich. Es sind in sich abgeschlossene Welten in einer perfekten 3-D Darstellung, mit einem Glanz welcher an Porzellan erinnert.
Und immer wieder beim Betrachten ein lachendes Auge.
                                                                                                   Jiri Novotny, Lörrach, 23.04.2011



Fuck the Norm!!!
                                                                                          Mark Gmehling,
Dortmund, 26.05.1974




L´ATLAS / F
www.latlas.net




Jules Dedet wurde 1978 in Südfrankreich geboren. Seine künstlerischen Wurzeln liegen im klassischen Graffiti. In den 1990er Jahren begann er, unter dem Pseudonym “L´Atlas” zu arbeiten. "L´Atlas" hat mehrere Bedeutungen: Neben dem Titanen aus der griechischen Mythologie, der vom Göttervater Zeus verurteilt ist, das Gewicht der Erde auf seinem Rücken zu tragen, bezeichnet der Begriff in der chinesischen Kalligraphie die goldene Regel des “einmaligen Pinselstrichs”.

L´Atlas erlernte die Kunst der Kalligraphie im Rahmen seines Kunst- und Archäologiestudiums in Toulouse während eines mehrmonatigen Studienaufenthaltes beim Marokkaner Smail Bour Quaiba. Eine weitere Reise führte ihn nach Kairo, wo er dem renommierten Kalligrafen Munir Al Shaarani begegnete. Dessen innovativen Entwürfe hatten auf L´Atlas´ Stil entscheidenden Einfluss.

Einer breiteren Öffentlichkeit wurde L´Atlas durch seine Interpretationen kufischer Schrift (eine der ältesten arabischen Schriftformen) bekannt. Er übertrug deren rechtwinkelige Anmutung auf das lateinische Alphabet und platzierte die Writings an ausgewählten Orten im öffentlichen Raum.

2001 tauschte L´Atlas die Sprühdose gegen weißes Gafferband und beklebte Wände und Böden von Tokio bis Istanbul. Damit zählt er zu den Pionieren der so genannten Tape Art. Die für seinen Stil typische gerade Linienführung und rechten Winkel kommen den gestalterischen Möglichkeiten des Klebebandes entgegen. Zu seinen bekanntesten Arbeiten gehören seine Labyrinth-Kompasse: Um sich in einer Stadt zurechtzufinden, orientiert sich L´Atlas wie viele Graffitikünstler an Tags und Graffitis. Als viele Wände von Paris von diesen Zeichen gereinigt wurden, fing L´Atlas an, seine Kompasse zu platzieren, vor allem an U-Bahn Ausgängen. Sie dienten zum einen als Orientierungspunkte und machten zum anderen bewusst, dass sich der Betrachter in einem urbanen Irrgarten befindet. Schwarz und Weiß sind die charakteristischen Farben von L´Atlas. Die Reduktion, Geometrie und Symmetrie seiner Kompasse haben oft einen hypnotischen Effekt.

Zu seinen Karrierehöhepunkten gehört eine 2008 im Rahmen des „Festival international d’art en famille“ umgesetzte Performance, ein Auftragswerk des Centre Pompidou. Unter Einbeziehung der Passanten, darunter vieler Kinder, wurde auf dem Platz vor dem Centre ein riesiger Kompass aus weißen Kartons geschaffen.

Seine Reisen führten L´Atlas in unzählige Städte wie Hamburg, London, Istanbul, Tokyo oder Jakarta. Seit einigen Jahren arbeitet L´Atlas an den „Toiles errantes“ (streunende Leinwände): Auf jeder Reise begleiten ihn dieselben Bilder, die er an unterschiedlichen Orten abfotografiert. Ein weiteres Langzeitprojekt ist „Ground Print System“ (GPS): Seit 2000 schafft er auf schwarzen Leinwänden chromfarbene Abdrücke von Kanaldeckeln aus aller Welt und dokumentiert Breiten- und Längengrad ihres Standortes. L´Atlas erweitert sein Schaffensspektrum laufend. Neben Graffiti, Grafikdesign, Fotografie, Kalligrafie und Malerei entwickelt er seit 2007 auch lebensgroße Skulpturen.



TOAST / CH
www.toastone.com



TOAST ist ein herausragender Graffitikünstler, der mit seinem Stil die internationale Writing-Szene massgeblich mitgeprägt hat. TOAST ist aber auch Ata Bozaci, der Gründer und Mitbesitzer der Firma «Atalier» in Bern. Visuelles Phänomen, renommierter Gestalter, rebellischer Geist und begnadetes Multitalent – so vielseitig wie die Person ist auch das Werk von Ata Bozaci. Seine aktuellen Arbeiten beweisen Mut zu futurstischen Formen, ein ausserordentliches Gespür für Abstraktion und Sinn für Funktionalität. Qualitäten, die nahtlos an die Ursprünge in der Graffitiszene anknüpfen und die auch im Privatappartement von Gunter Sachs spürbar sind, welches TOAST 2007 im legendären Schloss am Wörthersee designen durfte.


Nach zahlreichen Veröffentlichungen in Designbüchern und -magazinen gewährt Ata Bozaci dem Betrachter mit dem Buch «Black Ink» erstmals auch Einblicke in die kreativen Schaffensprozesse seiner Arbeit.

METALBOARDS
Diese Arbeiten sollen einen Bezug zum Graffiti-Sprühen herstellen, in dem sie den relativen Standpunkt des Betrachters thematisieren, der dort auch eine wichtige Rolle spielt. Je nach Standpunkt wechselt die Intensität der Bilder, und erst durch die Bewegung des Betrachters werden sie lebendig. Die Inszenierung will die Stimmung wiedergeben, welche nachts beim Züge bemalen aufkommt. Alles ist ruhig und friedlich. Die Kulisse liegt im Dunkeln, nur das punktuelle Licht der Strassenlaternen und Signallampen reflektieren sich diffus im Metall der Züge. Der Graffiti-Sprüher muss auf künstliche Lichtquellen verzichten um ungestört und unbemerkt im Dunkeln operieren zu können. Das Malen wird dadurch sehr intuitiv, da das gemalte Bild kaum zu sehen ist. Einzig glänzende und matte Stellen verweisen auf nasse, frisch gemalte und trockene Partien. Nur wer ein paar Schritte zurück tritt erhält jene Distanz, die das Erschaffene sichtbar macht. Genauso verhält es sich bei diesen Metalboards.

INSPIRATION UND URSPRUNG
Einer der ersten Formen von Graffiti waren die so genannten Tags (Signaturkürzel der Graffiti-Sprüher), welche mit Marker-Stiften auf Briefkästen angebracht wurden. Stahl als wichtige Bausubstanz bietet den besten Untergrund zum Malen und möglichst einem Tag (Schriftzug) möglichst lange erhalten zu bleiben. Die Metalboards verbinden diesen Ursprung mit neuen Techniken und Ansichten. Somit werden Graffiti und Tags in ein neues Licht gerückt.



ZEDZ / NL
www.zedz.org



ZEDZ begann mit Graffiti im Alter von 14 Jahren. Bereits nach einigen Jahren Grundlagenarbeit beherrschte er die Techniken meisterhaft und begann seinen markanten Graffitistil und eine Denkart zu entwickeln, welche bis zum heutigen Tag Basis seines kreativen Werks wurde.

1992 zog ZEDZ nach Amsterdam um an der bekannten Gerrit Rietveld Akademie zu studieren. Nach seinem Abschluss (1998) begann er als Visual Artist und freischaffender Grafikdesigner zu arbeiten. Während er an Kundenaufträgen und an seinen eigenen Projekten arbeitete, entwickelte er im Laufe der Jahre immer mehr seinen persönlichen Graffitistil und seine visuelle Sprache.

Die Arbeiten von ZEDZ haben ihren Ursprung in der Typografie und können als ständiges Streben nach einer neuen Darstellungsweise seines Namens gesehen werden. Er kreiiert Typografien die ausdrucksstark und spielerisch sind und bezieht sich eher auf Rythmus, Form und Dimensionalität, als den Aktzent durch unbedingte Lesbarkeit der Lettern setzen zu wollen.

ZEDZ arbeitet in unterschiedlichen Bereichen: Malen, Graffiti oder Grafiken am Computer in 3-D-Objekte verwandeln. Die Arbeiten variieren in Größe und Aussehen, von Zeichnungen bis zu Miniaturen und maßstabgetreuen Modellen bis zu monumentalen Zeichnungen und Objekten.

Ein gutes Beispiel für experimentelle Kunst finden sich in der Zusammenarbeit mit dem Architekten Marc Maurer. (MUA: Maurer United Architects), die das Erkunden der Grenze zwischen Graffiti und Architektur (1999-2003) zeigt.  Diese Erfahrung hatte eine Art Fusion zwischen Architektur und Graffiti zur Folge, in deren Verlauf das Graffitibild zur Vorlage für riesige dreidimensionale, architektonische Objekte diente.
Die Arbeiten für Veranstaltungen wie die „World Flatground Championship“ (BMX) im Jahre 2005 und diverse Animationen für verschiedene Kunden bestätigen die Leichtigkeit des Gebrauchs verschiedener Medien.

ZEDZ möchte eine Art Graffiti präsentieren die vielseitig ist und damit zeigen, dass Graffities zum Beispiel Objekte sein können, auf welchen man sitzen und sich entspannen kann oder auf welchen man sich gar mit dem Bike oder dem Skateboard bewegen kann, extrudierte Graffiti-Buchstaben die sich in Objekte verwandeln, im Verhältnis zur menschlichen Körpergröße stehen und mit dem Publikum in Dialog treten.

ZEDZ ist stets auf der Suche nach neuen Wegen seine Arbeit vorzustellen und dem Publikum immer wieder Möglichkeiten zu eröffnen, Graffitikunst neu zu betrachten. Mit seinem einzigartigen Stil hat er seine ureigene Kunstform erfunden.



in Memoriam DARE / CH

www.vonkoeding.ch



DARE, eigentlich Sigi von Koeding wurde am 15. September 1968 in Basel geboren.

Der Sohn einer Schweizerin und eines Deutschen begann 1986 in der Illegalität, Graffiti zu sprühen. 1990 machte DARE sein Hobby zu seinem Beruf und sich als Künstler selbständig. Er begann, seine Graffiti auch auf Leinwände zu sprühen, die in der Folge in Galerien, Museen und Messen ausgestellt wurden.

Nach seinem ersten Auftrag im Basler Medienhaus für den Fotografen Onorio Mansutti und der grossen Wandgestaltung für die Gemeinde Münchenstein folgten die ersten Zeitungsberichte auf nationaler Ebene. Darauf folgten Fernsehauftritte und Reportagen beim Schweizer Fernsehen. Ende der achtziger Jahren wirkte Sigi von Koeding an Europas grossen Wandgestaltungen mit internationalen Graffitikünstlern.

Neben Fassaden, Wänden und Shops in Los Angeles, New York City, Hamburg und Lifepaintings in Paris, Barcelona oder Zagreb tragen auch in der Schweiz diverse Projekte seine Handschrift – vom Basler Theatertram und den Filialen der City Disc, über Bühnenbilder bis hin zu Diskotheken, Autowaschstrassen und Tramhaltestellen.

Im Jahr 2000 lancierte die Firma Belton Molotow eine Spraydose mit dem Farbton «085 Dare Orange» zu seinen Ehren. Zu Sigi von Koedings Kunden zählte auch Gunter Sachs. Er liess 2007 sein Schloss am Wörthersee von DARE und dessen Freund TOAST/Ata Bozaci künstlerisch gestalten. Zudem war Sigi von Koeding Kurator der Carhartt Gallery in Weil am Rhein.

Er starb am 6. März 2010 in Basel.





Vernissage 29.04.2011







Bridge Gallery Lörrach






Mark Gmehling in Freiburg