10.5.-7.06.2009

HARI KOBIELLA

geboren 1950, arbeitet seit über 30 Jahren erfolgreich als Bühnenbildner für internationale Opern-, Theater- und Musicalproduktionen.
So entstand ein grosser Fundus an Bühnenbildern, der ihm das Material für seine abstrakten Gemälde liefert. Auf dieser Grundlage entstehen durch Übermalung und unterschiedliche malerische Techniken neue Kompositionen von höchst persönlicher, lebendiger Ausdruckskraft.

Interview

Als wir Dich in Deinem Atelier besuchten, waren wir über die Atmosphäre dort erstaunt. Du arbeitest zwischen Theaterkulissen in einer riesigen Lagerhalle.

Ich habe 30 Jahre lang Bühnenbilder entworfen und gebaut. Und wenn ein Stück abgespielt ist kommt das Bühnenbild in den Fundus.


Was waren das für Stücke?

Opern, Operetten, Musicals; aber auch viel Schauspiel. Ich habe für mehrere Broadwayshows die Bühnenbilder gemacht. "Westside Story", "Hair", "Little Shop of Horror". Aber eben auch "Aida", "Nabucco" oder "Endstation Sehnsucht".


Das waren meist realistische Hintergründe, keine abstrakten Bemalungen oder Dekors?

Ja. Landschaften, Strassenszenen, Cafehäuser, Schlafzimmer. Wo das Leben so spielt.


Und jetzt überraschst Du mit diesen abstrakten Bildern.

Ich habe auch schon früher neben meiner Arbeit für die Bühne ohne Auftrag gemalt; aber es stimmt: fast ausschliesslich gegenständlich. Dass ich jetzt abstrakt male ist trotzdem eine Fortsetzung meiner bisherigen Arbeit. Die Methode hat sich geändert, aber nicht das Ziel.  


Könntest Du uns ein Beispiel geben?

In der gegenständlichen und in der abstrakten Malerei gibt es das Problem der Perspektive. Es gibt Schattierungen, das Spiel von Licht und Schatten, den Wechsel zwischen flächigen und plastischen Formen aber letztlich geht es dabei immer um die Frage, wie stelle ich auf einer zweidimensionalen Fläche den Eindruck von Räumlichkeit her. Verschiedene Farben brauchen unterschiedlich lange um zu trocknen. Daraus ergeben sich unzählige Möglichkeiten der Nachbearbeitung. Die Plastizität des Bildes lässt sich durch bestimmte Techniken der Oberflächenbehandlung gezielt modellieren. Es sind zwar abstrakte Formen, die ich räumlich zeige und keine konkreten Gegenstände, aber trotzdem geht es um die Lösung des alten Problems der Perspektive.


Und  Grundlage dieser Bilder sind die alten Kulissen?

Richtig, das ist mein Ausgangsmaterial.


Und das übermalst Du dann?

Nicht immer. Manchmal benutze ich auch die unbemalte Rückseite. Dass ich meine alten Kulissen übermale ist nur eine Möglichkeit. Bei diesen beiden Bildern hier etwa, "Billets" und "Bagages", habe ich die unbeschrifteten Rückseiten bearbeitet und wenn man sie umdreht, ist da noch der alte Schriftzug zu lesen. Die hingen am Bahnhof in dem Stück "Pariser Leben".


Welche Rolle spielt die frühere Funktion der Bilder für Deine Arbeit?

Das ist schwer zu sagen, es ist jedes Mal anders. Bei manchen Bildern scheint die ursprüngliche Bemalung noch durch und bei anderen, wie "Billets" findet sie für den Titel Verwendung und dann gibt es welche, da kann ich keinen direkten Zusammenhang erkennen. Trotzdem – es beeinflusst meine Grundhaltung. 


Deine Bilder verströmen eine grosse Sicherheit im Umgang mit dem Material.

Vielleicht kommt es daher, dass ich es so gut kenne. Es ist nicht einfach nur eine Leinwand, die ich im Geschäft kaufe, auf einen Rahmen spanne, auf eine Staffelei stelle und dann bemale. Ich hatte das alles schon mal in Händen. Es ist Teil meines realen Lebens.


Aber jetzt gibts Du dem eine neue Bedeutung.

Ja. Jetzt bin ich frei. Diese Bilder müssen keine Funktion erfüllen. Es ist die Vielschichtigkeit in der Auseinandersetzung mit dem Material, die sie so aussehen lassen und ich denke, das spürt der Betrachter.


Er kann gewissermassen an Deiner Freiheit Teil haben?

Das wäre schön, ja. Genau darum geht es. Deshalb ist Kunst doch eine Bereicherung des Lebens.



Das Gespräch führten Jiri Novotny und Alexander Weil am 23.12.2008